Saison: 1979/1980 - Endlich wieder Bezirksliga

Dieser Aufstieg war nicht nur für die unmittelbar Beteiligten, die Spieler und Zuschauer, sondern auch in der Vereinshistorie etwas ganz Besonderes. Sicherlich ist die 1. Mannschaft des SCB vor und nach diesem Triumph häufiger zu Meisterehren gekommen, aber die vielen vergeblichen Anläufe seit dem Abstieg 1964, die ganz besondere Dramaturgie des Saisonverlaufs und die Krönung des Ganzen im Entscheidungsspiel gegen die TuRa aus Elsen machten die gesamte Saison zu etwas Unvergesslichem.

Schon in den Jahren zuvor hatten wir mit vielen Spielern aus der erfolgreichen A-Jugend von 1970-72 vergebliche Anläufe unternommen, dieser starken Kreisliga zu „entkommen“, aber immer war zumindest ein Gegner vor uns, so dass wir uns dreimal mit Platz 2 hinter Dahl, Paderborn-Schloss Neuhaus II und - für uns besonders schlimm – hinter RW Alfen begnügen mussten.

Auch in diesem Jahr war die Kreisliga A, vom Spielniveau vielleicht mit der heutigen Bezirksliga vergleichbar, gut besetzt. Wenn auch der SV Wewer und TuRa Elsen allgemein als Favoriten gehandelt wurden, war mit unserem neuen Trainer Manfred Schlichting unser aller erklärtes Ziel nur der Aufstieg. Der Start und die Hinrunde verliefen aber noch nicht so rund und erfolgreich, wie der Trainer und unsere Mannschaft sich das vorgestellt hatten. Wir waren zwar in der Spitzengruppe dabei, aber eben nicht an der Spitze, sondern hinter den erklärten Favoriten Elsen und Wewer. Die Unzufriedenheit unseres Coaches wurde uns Spielern vor dem schweren Spiel in Ostenland mehr als deutlich gemacht, indem er uns klar machte, dass er bei einer Niederlage seinen Posten zur Verfügung stellen werde. Ich weiß bis heute nicht, ob Manni das in die Tat umgesetzt hätte oder er uns aus Motivationsgründen nur „kitzeln“ wollte. Das Auswärtsspiel wurde auf jeden Fall mit 2:0 gewonnen und es ging in den nächsten Wochen spielerisch bergauf. Dennoch betrug unser Rückstand auf den Tabellenführer Wewer zu Beginn der Rückrunde satte acht Punkte, bei der damaligen 2-Punkte-Regel eigentlich ein fast aussichtsloses Unterfangen. Die Rückrunde wurde dann aber zu einer wohl einmaligen Aufholjagd, kein Spiel ging mehr verloren, Punkt um Punkt wurde gut gemacht und wir mussten uns nur zweimal mit einem Unentschieden begnügen. Die beiden richtungsweisenden, entscheidenden Spiele waren dabei die gegen die Hauptkonkurrenten Elsen und Wewer. Im Heimspiel gegen die TuRa aus Elsen lagen wir zwischenzeitlich mit 0:2 und 1:3 fast aussichtslos zurück, so dass sich einige enttäuschte Zuschauer schon auf den Heimweg machten. Der Jubel beim 2:3 und 3:3 ließ sie aber schnell zurückkehren, so dass die den 4:3-Sieg mitfeiern konnten. Wahrscheinlich war dieser Sieg, besonders nach den zwischenzeitlichen Rückständen der ‚Knackpunkt‘, die entscheidende Wende und der letzte Motivationsschub im Aufstiegsrennen. Denn das Spiel gegen die lange die Tabelle anführenden Weweraner konnten wir relativ souverän mit 3:0 für uns entscheiden. Im letzten gewonnenen Saisonspiel in Neuenbeken gelang es dann, die Elsener einzuholen, so dass bei Punktgleichheit ein Entscheidungsspiel notwendig wurde.

Dieses Entscheidungsspiel konnten wir eigentlich nicht verlieren, denn mit Beginn der Rückrunde wurde in den Vereinslokalen bei jedem Sieg eine vorgezogene Meisterfeier geprobt. Diese Feiern waren so intensiv, dass mehrere von uns am nächsten Morgen Probleme mit dem Aufstehen und dem Gang zur Arbeit hatten. Es war immer eine große Runde: die komplette Mannschaft, meistens auch unsere Frauen/Freundinnen, häufig der Trainer, unsere Betreuer ‚Bubi‘ Rubarth und Altmiks ‚Fitti‘ und der Vorstand sowie immer einige Fans, die uns nach dem Spiel ins Vereinslokal begleiteten. Es wurde aber nicht nur getrunken, sondern es wurden auch die Vereinslieder wie ‚Blau und Weiß‘, ‚Unser Torwart auf der Lauer‘ etc. nicht schön, aber meistens laut von allen ‚geschmettert‘. Einige Male sogar von Dernbach`s Willi auf dem Schifferklavier begleitet. Im Ohr geblieben ist mir dabei auch noch der Ausspruch unseres Torwarts Lago (Norbert Franke) "Das Meisterjahr ist angebrochen", den er jeden Sonntag zum Besten gab.

Nun zum Entscheidungsspiel an neutraler Stätte auf dem Sportplatz in Wewer. Bei Bilderbuchwetter und vor einer für uns unglaublichen und nie zu erwartenden Kulisse von 1.500 Zuschauern trafen wir auf den Bezirksligaabsteiger des Vorjahres, die TuRa aus Elsen. In der 10. Minute gingen wir durch einen Freistoß von Beppo Hecker, als Flanke gedacht, aber von dem unberechenbaren Wind begünstigt, mit 1:0 in Führung. In einem total ausgeglichenen Spiel erhöhte Bernhard Budde nach einem Alleingang mit toller Einzelleistung in der 52. Minute auf 2:0. Nur kurz darauf verkürzte N. Rüther per Kopf zum 2:1 für die TuRa. Das Spiel wogte nun hin und her, aber mit einer guten Defensivleistung aller, etwas Glück und der tollen Unterstützung der Zuschauer brachten wir den Vorsprung über die Zeit. Der Rest war nur noch Jubel und Freude pur, denn für alle war es die erste Meisterschaft und der erste Aufstieg im Seniorenbereich. An die darauf einsetzenden Feierlichkeiten, die gefühlt eine ganze Woche dauerten, wird sich sicherlich jeder der Protagonisten noch gerne erinnern. Hier alle Anekdoten zu erzählen, würde sicherlich zu weit führen. Aber im Gedächtnis haften geblieben, sind einmal die spontane ‚Meisterfeier‘ am Tag des Entscheidungsspiels im rappelvollen Gemeindekrug bei Willi Paulsen mit zahlreichen unserer Fans bis in den frühen Morgen, zum anderen die offizielle Feier eine Woche später bei Hausmann`s Peter im Haus Carola. Vor der zweiten Feier gab es für die Spieler noch eine Kutschwagenfahrt durch Borchen. Die beiden Pferdekutschen, die von Reinhard ‚Karo‘ Lohn und Franz Schäfers (Buer) zum Vereinslokal gelenkt wurden, waren von unserem Mannschaftsführer Heini Kleine vorher liebevoll geschmückt und mit gereimten Weisheiten zum Aufstieg plakatiert worden. Ein toller Auftakt zum Abschluss der Meisterfeier.


Welche Faktoren haben nun letztlich zum Aufstieg geführt? Da muss man sicher zuerst den Zusammenhalt in der Truppe nennen, der über Jahre gewachsen war, aber ebenso auch unseren Trainer Manni Schlichting, der fast immer die richtigen Worte sowie die passende Taktik fand und den erwähnten Zusammenhalt förderte. Dabei sollte man das gute Umfeld (Vereinsführung), unsere Betreuer Bubi und Fitti sowie die treuen und immer zahlreichen Zuschauer nicht vergessen. Ein ganz wesentlicher Grund war aber die Eingespieltheit, da wir keine Langzeitverletzten hatten und der kleine Basiskader mit 13 Spielern nur hin und wieder mit Hermann Wischer, Martin Schiermeyer und Gerd Schiller aufgefüllt werden musste. Wenn man die heutigen Kaderumfänge schon in der Bezirksliga sieht, erscheint der Erfolg umso bemerkenswerter. Aus meiner ganz persönlichen Sicht steht dieser Aufstieg an der ersten Stelle. Obwohl ich als Jugendspieler dreimal und später als Trainer auch noch zweimal einen solchen Erfolg feiern durfte, war dieser der bedeutsamste.

Euer Beppo Hecker

Hessenberggeschichte(n)

Hessenberggeschichte(n), das sind kleine und größere Erzählungen rund um den SC Borchen. Kurze Anekdoten, phänomenale Spiele, unvergessene Spielzeiten oder Zeitgeschichte aus dem Herzen des Vereins, alles findet hier seinen Platz und lässt so Geschichten zu Geschichte werden. Viel Spaß beim lesen!

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