Stefan Schreckenberg im Kreuzverhör

Steckbrief

Name: Stefan Schreckenberg
Spitzname: Steckis (aufgrund seiner langen, schmalen Beine)
Alter: 67 Jahre
Mitglied seit: 1965 (mit 11 Jahren trat er den Sportfreunden Nordborchen bei)
Spielposition: Sturm - in der Schülermannschaft
Libero - ab A-Jugend
Werdegang: Spieler: 1965 - 1990
Jugendtrainer: 1974 - 1978 E-Jugend
1989 - 1993 F-Jugend
1996 - 1999 C+B-Jugend
Seniorentrainer: 1. Mannschaft insgesamt 3 Jahre (92/93-93/94-94/95)
Vorstand: Stellvertretender Vorsitzender der Fußballabteilung von 1996 - 2006
Vorsitzender der Seniorenfußballabteilung von 2006 - 2014
1. Dein Vater hatte ja mit dem runden Leder nicht so viel am Hut - Wie kamst Du überhaupt zum Fußball?
Wir hatten in meiner Kindheit, mit Dieter Gödde, einen aus der DDR Geflüchteten bei uns zu Hause wohnen – das war ein sogenannter Kostgänger, der ein Zimmer für sich hatte, aber bei uns zu jeder Mahlzeit mit am Tisch saß. Dieser war sehr fußballbegeistert, spielte damals bei den Sportfreunden Nordborchen und hat mit mir & meinen Kumpels oft auf unserem Hof gepöhlt und uns so für das runde Leder begeistert. In unserer Freizeit waren wir dann quasi immer auf der Schulwiese, oder haben auf der Bülte auf Kloken Garage geschossen.
2. Zu Deiner Zeit gab es noch die Sportfreunde Nordborchen und die DJK aus Kirchborchen – Wie war es mit der Rivalität?
Die Rivalität war schon da, aber in erster Linie wollten wir Fußball spielen. Als ich aus der Schülermannschaft kam herrschte in Nordborchen gerade Durststrecke – es gab keine A-Jugend und so sind Beppo Hecker und ich zur DJK nach Kirchborchen gewechselt; natürlich auch mit einigem Unverständnis, aber wie gesagt, wir wollten einfach nur Fußballspielen und obwohl es ein Jahr später auch in Nordborchen wieder genug Nachwuchs gab sind wir nicht zurück gewechselt. Die Fusion stand ja eh kurz bevor.
3. Aus heutiger Sicht: War eine Fusion unabdingbar?
Der Zusammenschluss am 25.07.1970 war schon notwendig, gerade um sich personell breiter aufzustellen, aber gerade bei den Senioren hatte man sich anfangs wohl viel mehr Erfolg versprochen. Mit Ellenbürger hatte man den ersten bezahlten Trainer, doch dieser setzte in den Spielen immer auf die Älteren, die wenig bis kaum trainierten, anstatt die Jüngeren einzubinden. Es wäre für die 1. Mannschaft viel mehr drin gewesen, in den Anfängen der 70er!“ In unserem Jugendbereich lief es da wesentlich besser: In der Saison 1971/72 wurde ich mit der A-Jugend Meister. In der Aufstiegsrunde setzten wir uns gegen fünf Teams durch und schafften den Sprung in die Jugend-Bezirksklasse, der damals höchsten Stufe im Jugendfußball.

4. Was war Dein größter Erfolg?
Als Senioren-Spieler, ganz klar der Aufstieg in die Bezirksklasse im Jahr 1980. Unter Trainer Manni Schlichting spielten wir im Entscheidungsspiel, in Wewer, gegen die TuRa aus Elsen, dem Vorjahresabsteiger und leichten Favoriten. Wir haben in der Rückrunde eine grandiose Aufholjagd hingelegt und gingen ungeschlagen in dieses Endspiel. 1.500 Zuschauer waren vor Ort und sahen unseren harterkämpften 2:1 Erfolg. Danach gab es dann kein Halten mehr, schließlich war es der bisher größte Erfolg der noch jungen Vereins-geschichte. Seit 1964 war erstmalig eine Borchener Mannschaft wieder in der Bezirksklasse. Es gab eine Planwagenfahrt durch die Gemeinde, ein Ständchen des Blasorchesters Kirchborchen vorm Haus Carola und eine offizielle Ehrung durch Bürgermeister Aloys Lengeling. Wir waren für einen Moment irgendwie die Helden unserer Dörfer. Als Vorsitzender der Fußball-Senioren war es ganz klar der Aufstieg unserer 1. Mannschaft in die Landesliga 2008 und nicht nur der Aufstieg und der damit bis heute verbundene größte Erfolg beim SCB-Männerfußball, sonder allein die Tatsache, dass wir es mit vielen Spielern aus den eigenen Reihen geschafft haben, die man schon das halbe Leben lang begleitet hat. Das hat mich damals ziemlich stolz gemacht.

5. Was war Deine derbste Niederlage?
Stefan denkt nach – Als Spieler fällt mir da so spontan nichts ein. Als Vorstandsmitglied sicherlich, der Abstieg aus der Bezirksliga Ende der 90er, nachdem wir ja erst 1997 wieder aufgestiegen waren.
6. Welchen Deiner gegnerischen Vereine oder Gegenspieler kannst Du bis heute nicht ab?
Bis heute nicht abkönnen ist vielleicht zu viel gesagt, aber die Gemeinde-Derbys gegen Dörenhagen und Alfen waren immer hart umkämpft und oft kein Fußballleckerbissen. Vielmehr habe ich mich aber über mich selbst geärgert, wenn wir Spiele verloren haben. Das verwundert mich auch heute oft bei manchem Spieler: Die richtige Selbsteinschätzung nach Niederlagen fehlt oftmals.
7. Was war Dein Lieblingsgegner?
Den gab es so nicht, aber im Aufstiegsspiel 1980 war es eindeutig TuRa Elsen. (Stefan grinst auch noch nach 41 Jahren bis über beide Ohren)
8. Du warst Spieler, Trainer und Vorsitzender der Fußballsenioren – welche Zeit vermisst Du im Ruhestand am meisten?
Vermissen ist so ein großes Wort. Ich habe überall meine Zeit gehabt und die war auch schön. Die Zeit im Vorstand war sehr intensiv, mit der Erweiterung des Sportheims, dem Ausbau zum Kunstrasenplatz, sowie der Entwicklung unserer Mannschaften und wenn man so viele Jahre Entscheidungsträger war ist es natürlich schwer sofort loszulassen – man hat anfangs immer noch den Drang mitreden zu wollen. Doch wenn ich heute auf unsere Nachfolger schaue bin ich ziemlich stolz, dass dieser Übergang so reibungslos geklappt hat; da war auch der erste Schmerz des Ruhestands schnell verflogen. Was mir aktuell in dieser Pandemie-Zeit besonders fehlt ist die Zeit am Sonntagnachmittag nach dem Spiel, wenn wir im Sportheim sitzen & die ersten Analysen machen, uns über die Ergebnisse auf den anderen Plätzen freuen, bzw. aufregen und einfach die Geselligkeit pflegen!
9. Früher gab es ja noch unsere Dorfkneipen, wo nach Sieg oder Niederlage die 3. Halbzeit angepfiffen wurde; dieses besondere Flair kennen die meisten Spieler ja heutzutage gar nicht – Was war die geilste Feier und was Dein schlimmster Absturz?
Die Aufstiegsfeier 1980 direkt nach dem Spiel gegen Elsen, als wir bei Paulsen Willi die Nacht zum Tag machten. Die Bude war rappelvoll und der Boden klebte nachher dermaßen, dass man nicht mehr umkippen konnte. Ein Satz vom ehemaligen Vorsitzenden der Sportfreunde Nordborchen, Heinrich Gockel, ist mir bis heute noch im Kopf: „Das ich das noch erleben durfte, dass wir die edle TuRa geschlagen haben!“ Verrückt, was das damals unseren Vorgängern bedeutet hat. Nach Auswärtsspielen waren wir immer bei Paulsen, im Gemeindekrug in Nordborchen und nach Heimspielen ging es in Kirchborchen ins Haus Carola. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass die erste Stunde nach dem Spiel der Mannschaft gehört. Hier wurden die ersten Konflikte gelöst und das Spiel verarbeitet – zwei Tage später braucht man das doch nicht mehr machen. Heute zeigt sich da bei vielen leider ein anderes Bild, wo keine Handvoll der Spieler wenigstens auf 10 Minuten ins Sportheim kommt und uns Zuschauern nochmal Rede und Antwort steht – das ist schon schade!

10. „Das hätte es früher nicht gegeben“ ist ein Satz, den man immer mal wieder auf dem Hessenberg hört; egal ob auf den Schiedsrichter oder die Spieler bezogen – Ist der heutige Amateurfußball zu weich geworden?
Das ist echt ein Satz der häufig fällt, aber auch ins Verhältnis gesetzt werden muss. Wir haben damals zwischen 80-90 % auf Asche gespielt und sind damit groß geworden – das würde heute sicherlich über die Hälfte der Spieler verweigern. Damals wurde auch schon mal mit einem Bänderriss weitergespielt, da es Zeiten gab, wo man nicht auswechseln durfte. Das heutige Spiel ist einfach anders geworden: Es gibt mehr und vor allem intensiveres Training und das gesamte Spiel ist schneller geworden – dadurch wächst natürlich auch die Verletzungsgefahr. In Borchen haben wir meines Empfindens aber optimale Voraussetzungen, um dieses Risiko so klein wie möglich zu halten.


Ein gutes Schlusswort, wie ich finde und damit ist unsere kleine Fragerunde auch schon vorbei:
Vielen Dank Stefan, dass Du uns einen kleinen Einblick in Deine Welt beim SC Borchen gewährt hast. Es sind Menschen, wie Du, die das Ehrenamt über Jahrzehnte leben und so ihren Verein am Leben erhalten. Auf hoffentlich bald, in unserem geliebten Sportheim am Hessenberg!

10 Fragen im Kreuzverhör – Maulwurf deckt auf

In dieser Kategorie geht es um den Kreis der Ehemaligen; ganz nach dem Motto: „Was macht eigentlich…?“ Vereinsgrößen, ob Vorstand oder Spieler, die bis heute ihre Spuren beim SC Borchen hinterlassen haben und fast immer noch präsent sind; eben Mitglieder & Ehrenamtler der ganz besonderen Art. Aber auch um Menschen, die vor der Fusion der Sportfreunde Nordborchen & der DKJ Kirchborchen einiges mit ihren Mannschaften erlebt haben und ihre Zeit auf eine gewisse Art prägten. Wir wollen mal etwas hinter die Kulissen gucken und Einblicke gewähren, die vielleicht sonst nicht zum Vorscheinen kommen.

Zehn Fragen, zehn Antworten und das ohne große Vorbereitung – denn das was spontan auf den Tisch kommt ist oftmals viel beeindruckender als große Reden zu schwingen.
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