SC Borchen Fußballabteilung - Eine besondere Liebeserklärung
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Eine besondere Liebeserklärung



In einer der letzten Ausgaben des „Einwurfs“ haben wir uns schon mit den Zuschauern am Hessenberg beschäftigt: Von Spielerfrau & Elternteil, über Alteingesessener, bis Allesfahrer war so ziemlich alles dabei, was den SCB ausmacht.
Heute wollen wir aber etwas mehr ins Detail gehen und befassen uns mit der Spezies „Ehemaliger Spieler, der aber immer noch gern auf dem Platz wäre“.

Es gibt diese Ehemaligen, die ab und an, meist zu Topspielen, noch den Sportplatz aufsuchen, um mal wieder das Neueste zu erfahren und es gibt diesen besonderen Typus der Ehemaligen, die schon mal kurz um 11:00 Uhr ne Halbzeit der Dritten gucken, anschließend Mittagessen und pünktlich um Eins zum Spiel der Amateure wieder auf ihrem Platz stehen. Dabei ist das Spiel der Zwoten für sie nur die emotionale Aufwärmphase: Hier wird dem Schiri, den Spielern der gegnerischen Mannschaft, aber auch fremden Zuschauern gern schon mal der ein oder andere Kosename, bzw. hochmetaphorische Satz zugeworfen: „Du Bauer!“, „Hast Du zu heiß gebadet?“, „Wer hat Dich denn groß gezogen?“, „Trink mal ‘nen Tee zur Beruhigung!“ etc. Wie gesagt, es ist erst die Aufwärmphase, ehe das Spiel der Ersten folgt.

Auch wenn man längst nicht mehr alle Spieler persönlich kennt, ist die Bindung zur ranghöchsten Truppe doch eine ganz innige. Hier hat man selbst gespielt und seine Knochen für den Verein hingehalten. Hier hat man die größten Erfolge gefeiert und fast eine Art Liebesbeziehung zum Club aufgebaut; denn die Kumpels vom Platz sahen die meisten häufiger als Frau und Kinder zu Hause. Somit ist diese Mannschaft nicht einfach ein Team des SCB, nein es ist mein Team, unser Team und wenn ich meine Knochen Jahrzehnte lang hingehalten habe, dann erwarte ich das auch heute von den Jungs da unten auf dem Platz.

Wenn es auf 15 Uhr zugeht, merkt man, dass das Blut unserer speziellen Fangruppe so langsam in Wallung kommt. Um den Puls noch etwas hochzufahren wird auf die obligatorische Waffel noch ein heißer Kaffee gekippt und dann kann es auch schon los gehen. Die Mannschaften laufen auf den Platz, der Schiedsrichter hat noch nichtmals angepfiffen, da fällt schon der erste Satz: „Der hat uns doch in der Hinrunde in Atteln schon verpfiffen, das gibt heut‘ eh nichts!“ Es laufen die ersten Minuten, ein Borchener Spieler rammt sich förmlich den Weg frei, der Gegenspieler stürzt, reklamiert, der Schiri winkt ab und Borchen geht mit 1:0 in Führung.
O-Ton von außen: „Stell dich nicht so an, das ist hier kein Damenschach! Klasse Schiedsrichter, dass er da weiterlaufen lässt; hat er gut gesehen!“ Eine fast identische Szene auf der anderen Seite und das kurz vor der Halbzeit, die zum Ausgleich führt. Die gleiche Person brüllt mit hochrotem Kopf: „Ey Schiri, bist Du blind? Ganz klare Karte! Der geht doch nur auf den Mann! Unfassbar! Hab ich doch schon vorm Anpfiff gesagt, das der nichts taugt!“ Auf Züchtigungen von gegnerischen Fans reagiert der „Borchener-Ehemalige“ dann so: „Was wollt ihr denn? Ne Treter-truppe seid ihr, nichts anderes!“

Dann ist zum Glück Halbzeit, kurze Verschnaufpause im Sportheim, wo unser Edelfan sich mit einer Flasche Bier runterkühlt und den ein oder anderen Bekannten des Rivalen von früher trifft: „Ja Manni, gerechtes Unentschieden, aber der Vierer von Euch ist schon ein Schlitzohr, der muss mal etwas ruhiger werden!“ Nichts mehr zu spüren von der emotionalen Talfahrt von vor zwei Minuten. Zweite Halbzeit und hier zeigen sich dann oft noch weitere Details unserer Fangattung. Man selbst darf ja Sachen in Richtung Gegner und Schiri rufen, aber wehe es macht ein anderer: „Bist du bekloppt? Halt jetzt den Mund, oder willst du das der nur noch gegen uns pfeift!“ sind Sätze, die gerade verstummt sind, wenn die Person selbst ausholt und grölt: „Du Weichei!“

Zudem zeichnet unseren Musterfan aus, dass er die Fehler nicht nur bei den anderen sucht; auch mit der eigenen Mannschaft geht er hart ins Gericht: „Was machen die denn die ganze Woche beim Training?“ „Das muss man doch sehen!“ „Hauptsache die Frisur sitzt!“ oder „Den hätte unser Omma mit Krückstock gehalten!“ zeigt nur ein kleines Repertoire seiner Wortgewandtheit. Dabei scheint das Spiel an sich etwas in den Hintergrund zu rücken – zu sehr ist er damit beschäftigt sich auf gewisse Personen zu fokussieren und sich vorzustellen, wie es wohl wäre, stünde er noch auf dem Platz; ganz nach dem Motto: „Mit mir wäre das nicht passiert!“

Borchen verliert am Ende übrigens knapp mit 1:2. Einem kurzen „das kann man sich doch nicht mehr mit ansehen!“ folgt die Frage: „Wo spielen wir denn nächste Woche?“ „Ach so, wieder Heimspiel – na dann bis Sonntag!“ Ein kurzes Tschüss in die Runde und er ist genauso leise verschwunden, wie er am Morgen gekommen ist.
Die großen deutschen Fußball-Clubs sprechen in ihren Slogans von „Echter Liebe“, sie seien „Spürbar anders“ oder „Furchtlos und treu“, dass die Fans „den Verein leben“; aber seien wir mal ehrlich: Der wirkliche Fan steht Sonntag für Sonntag bei seinem Dorfverein am Platz, bei Wind und Wetter, oftmals ohne ein Dach über dem Kopf zeigt er sich furchtlos und treu; er ist nicht der Allerweltsfan, den man in eine Schublade schiebt – er ist spürbar anders, denn er lebt seinen Verein; auch Jahrzehnte nach seiner aktiven Zeit ist dieser Verein ein Teil von ihm und es ist nach wie vor echte Liebe!

Bis dahin
Euer Maulwurf

Maulwurfs Blutgrätsche


Es gibt in Borchen nur eine Person, die bereits jedes Ehrenamt ausgeführt hat und dementsprechend zu allem was zu sagen hat: Unser Maulwurf! Zukünftig bekommt er im Einwurf und hier ab und zu die Gelegenheit zu einer Blutgrätsche anzusetzen. Diese muss nicht immer weh tun, Spaß macht sie aber auf jeden Fall. Beschwerden bitte direkt in der Altenaustraße einreichen ;-)
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