Reinhold Schäfer im Kreuzverhör

Steckbrief

Name: Reinhold Schäfer
Spitzname: Reinhold :-)
Alter: 86 Jahre
Mitglied seit: 1947 trat er der Schülermannschaft der Sportfreunde Nordborchen bei
Spielposition: erst Mitläufer (heutiger 10er), dann rechter Verteidiger
Werdegang: Spieler: Über die Schülermannschaft und B-Jugend ging es für Reinhold in die 2. & 1. Kreisklasse und drei bis vier Spiele konnte er auch noch in der Bezirksliga absolvieren
1. Reinhold, wir beide kennen uns über das Tambourcorps Nordborchen seit über 20 Jahren. Hier bist Du bereits unglaubliche 71 Jahre Mitglied. Dass Du auch mal hinter den Ball getreten hast habe ich erst viel später erfahren. Wie kamst Du zum Fußball?
Nach dem Krieg versuchte man händeringend Mannschaften aufzubauen. Vogts „Pingel“ (Josef Vogt (Blieckschlägers) von der Bülte) baute seinerzeit eine Schülermannschaft auf und sprach uns Burschen auf der Straße an. So kamen wir noch vor der Währungsreform (1948) in den Verein.
2. Dein fußballerischer Werdegang hielt aber nicht allzu lange an. Was kam dazwischen?
Zum einen verschlug mich die Arbeit nach meiner Lehre nach Dortmund. Als ich 1954 zurück nach Nordborchen kam habe ich nochmal kurz gespielt, mich dann aber in Driburg am Knie verletzt - danach war erstmal Pause. Da es auch viele Überschneidungen mit meinem musikalischen Hobby gab, habe ich mich letztendlich für die Musik entschieden und nur noch ab und zu in der Reserve ausgeholfen.
3. Unser Spielmannszug-Kollege Franz Gockel erzählte mir kürzlich, dass sein Vater, Heinrich Gockel, seines Zeichen ehemaliger Vorsitzender der Sportfreunde Nordborchen, nach dem 2. Weltkrieg Zuckersäcke der Amerikaner zu Trikots umgenäht hat, da der Stoff knapp war. Hast Du auch noch in diesen Shirts gespielt?
Ja, das stimmt wirklich. Die Säcke wurden schwarz eingefärbt, da unsere Vereinsfarben Weiß-Schwarz waren. Doch nach mehrmaligem Waschen blichen die Trikots aus und es kam das US-Army-Zeichen wieder zum Vorschein.
4. Nach dem Krieg gab es, mangels Spieler, eine Sportvereinigung Borchen, damit man 1946 überhaupt schon wieder hinter den Ball treten konnte. Du warst hiervon Anfang der 50er nicht mehr betroffen.
Wie würdest Du denn das Verhältnis zum Nachbarverein aus Kirchborchen beschreiben?
Das Verhältnis war meines Wissens gut; es wollten ja alle einfach nur Fußball spielen. Von Nordborchen waren damals Schwens Willi (Josephs), Urbans Robert und Nagels Tete (Josef sen.) dabei; aus Kirchborchen kann ich mich noch an Heimes Pütt & Schwatte (Wiechers aus der Bachstr.) und Bruns Seppel ganz gut erinnern. Seppel stand nach seiner aktiven Zeit immer noch am Spielfeldrand, feuerte an und rief dabei immer quer über den Platz „Einsatz, Einsatz…!“ Sowas bleibt irgendwie hängen. Trainiert wurde damals zum einen im Priewinkel, das ist der Bereich über der Sängerhütte, wo heute die Autobahn verläuft und im Winter haben wir auch schon mal in den alten Flughafenhallen am Buchenhof gekickt. In Kirchborchen gab es einen Platz etwas höher gelegen als „Baustoffe Nagel“- wenn man hier auf Zeit spielen wollte, wurde der Ball einfach immer den Hang runter, in Richtung Bahngleise, geschossen.


Die Sportfreunde Nordborchen in den 1950er Jahren. Reinhold steht links oben.
5. Du kamst ja mit 15 Jahren in eine erfolgsverwöhnte Truppe. 1948/49 schafften die Sportfreunde Nordborchen bereits den Aufstieg in die Bezirksklasse. Wurde man da als Jungspund gleich akzeptiert?
Ach, was glaubst Du denn? In erster Linie waren wir Jugendlichen nur gut, wenn Not am Mann war. Teilweise bin ich dann erst gar nicht zum Treffen am Spieltag gegangen. Vorschusters (Voß) Bernhard rannte dann quer durchs Dorf um uns zu suchen, damit das Spiel überhaupt stattfinden konnte.
6. Als Du mit dem Fußballspielen anfingst zählte Nordborchen gerade mal 1.500 Einwohner, also nur ein Drittel von heute. Wie schwer war es Nachwuchsspieler anzulocken?
Das war schon sehr schwierig. Es gab in der Anfangszeit kaum Leute die auch hinter den Ball treten konnten; da hat man fast jeden genommen, der nicht schnell genug von der Straße kam, um eben die Reihen aufzufüllen.
In deiner unmittelbaren Nachbarschaft, neben Schreckenbergs, wohnte Hartmanns „Ratte“, den Vornamen weiß ich nicht mehr. Laufen konnte der, wie kein Zweiter, aber dann hörte es auch schon auf; und davon gab es halt mehrere Mannen.
7. Das Geld saß ja früher nicht so locker wie teilweise heutzutage. Wo und wie wurden Eure Siege gefeiert?
Wir waren immer im Gemeindekrug, bei Berlagen im Kabuff auf den Sofas, hinter der Schiebetür. Wenn wir viele Tore geschossen hatten brauchten wir kein Geld, denn Bäckermeister Philipp Kloke gab für jedes geschossene Tor einen Stiefel Bier. Wenn der Stiefel gelehrt war, stellten wir ihn einfach vor die Tür und warteten maximal fünf Minuten, dann war er wieder gefüllt. Selbst der geizige Wirt, wir sagten immer „Buppten Franz“ zu dem, gab der Mannschaft mal ein Essen aus – das war dann schon was Besonderes.


Team Klein Katernberg
8. Hast Du die Entwicklung beim späteren SC Borchen nach Deiner aktiven Zeit immer verfolgt?
Auch wenn ich die Schuhe da schon lange an den Nagel gehängt hatte guckt man doch zumindest immer durch die Zeitung, was es so Neues im Dorf gibt und wie der Spieltag gelaufen ist. Man will ja schließlich mitreden können.
9. Hast Du noch Kontakt zu Deinen ehemaligen Mannschaftskameraden, oder hat sich mit den Jahren alles verlaufen?
Das wir uns jetzt gegenseitig anrufen ist nicht der Fall, aber den ein oder anderen sieht man ja mal im Dorf auf einen Schnack und dann kommen manchmal auch alte Erinnerungen hoch. Jetzt, wo es vor kurzem noch so kalt und regnerisch war, muss ich immer mal wieder an ein Spiel in Altenbeken denken: Das Wasser lief uns in die Schuhe, so hat es an dem Tag geschüttet und da es noch keine Duschen an den Sportplätzen gab, konnten wir uns nach dem Spiel nur mit eisigem Wasser aus Eimern abwaschen - und das alles draußen. Kein Vergleich zu Spielen in Schwaney, wo wir uns beim Bäcker in der warmen Backstube umziehen durften. War früher alles ein Behelf, aber funktioniert hat es trotzdem.
10. Reinhold, vor Corona sah man Dich dann sonntags doch schon mal häufiger wieder bei den Heimspielen. Geht dieser innere Drang den Heimatclub zu sehen nie so richtig verloren, egal wie alt man ist?
Bis vor zwei Jahren war ich noch im Besitz einer Jahreskarte des SC Paderborn, aber das gefiel mir dann irgendwann nicht mehr. Bei Wind und Wetter muss ich das mit über 80 Jahren nicht mehr haben. Aber da mich Fußball immer noch interessiert und der Weg zum Hessenberg nicht allzu weit ist, freue ich mich sonntags auf die Borchener Spiele. Zudem trifft man hier doch noch den ein oder anderen Bekannten auf einen Plausch.


Vielen Dank Reinhold, für Deine offene, ehrliche & sympathische Art.
Es war sehr interessant Einblicke in die Anfänge nach dem Krieg zu bekommen und man ist erstaunt, was sich in Borchen über die Jahrzehnte entwickelt hat.

10 Fragen im Kreuzverhör – Maulwurf deckt auf

In dieser Kategorie geht es um den Kreis der Ehemaligen; ganz nach dem Motto: „Was macht eigentlich…?“ Vereinsgrößen, ob Vorstand oder Spieler, die bis heute ihre Spuren beim SC Borchen hinterlassen haben und fast immer noch präsent sind; eben Mitglieder & Ehrenamtler der ganz besonderen Art. Aber auch um Menschen, die vor der Fusion der Sportfreunde Nordborchen & der DKJ Kirchborchen einiges mit ihren Mannschaften erlebt haben und ihre Zeit auf eine gewisse Art prägten. Wir wollen mal etwas hinter die Kulissen gucken und Einblicke gewähren, die vielleicht sonst nicht zum Vorscheinen kommen.

Zehn Fragen, zehn Antworten und das ohne große Vorbereitung – denn das was spontan auf den Tisch kommt ist oftmals viel beeindruckender als große Reden zu schwingen.
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