Heinrich Neumann im Kreuzverhör

Steckbrief

Name: Heinrich Neumann
Spitzname: Heute eher „Heinz“, aber als Spieler nannte man ihn „Schneider“, da er Heinrich Vogt (Blieckschlägers von der Bülte) so ähnlich sah und der gelernter Schneider ist.
Alter: 84 Jahre
Mitglied seit: 1954 (mit 18 Jahren trat er dem Seniorenbereich der Sportfreunde Nordborchen bei)
Ehrenmitglied seit: 1999
Spielposition: Linker Läufer im seinerzeit gespielten WM-System (drei Abwehr-,zwei Mittelfeld- & fünf Offensivspieler)
Werdegang: Spieler: 1954 - 1994 (bis zum 58. Lebensjahr noch bei den Altherren aktiv)
Vorstand: Von 1962 bis zur SCB-Fusion 1970 war er Schriftführer bei den Sportfreunden Nordborchen.
1. Heinz, als kleiner Junge kannte ich Dich immer nur vom Schützenfest in Uniform, dabei ist der Fußball Deine erste große Leidenschaft gewesen – wie kamst du zum runden Leder?
Die Sportfreunde waren zu meiner Jugendzeit eine richtig gute Truppe, allerdings zählte nur die erste Mannschaft. Der Star der Mannschaft war Schöffler, der auch offiziell bezahlt wurde. Das Geld was rein kam, wurde auch direkt wieder verprasst und auf die Jugend legte man damals noch keinen Wert. Als dann Potthöfer, Soppe, Thronberens Henni und Vogts Anton („Miele“) aufhörten stand der Verein quasi vor dem Nichts und drohte wahrlich kaputt zu gehen. Dank Leuten, wie Rosenkranz Willi, Pairams Erich, Göllners Johannes & Gockels Heinrich blieb der letzte Funke aber erhalten und so wurden die Jugendlichen, wie ich, herangeführt, ehe man dann mit 18 Jahren offiziell als Mitglied geführt wurde. So war das früher in jedem Verein!
2. Mit den Sportfreunden Nordborchen hast Du große Erfolge gefeiert, so zum Beispiel den Aufstieg in die Bezirksliga 1956, mit gerade einmal 19 Jahren. Gab es damals auch schon ne große Sause, oder wie habt Ihr das gefeiert?
Natürlich wurde das gebührend gefeiert. Für uns ging es damals immer nach Berlagen in den Gemeindekrug und dort in den Saal. Dieser war durch eine Schiebetür vom Kneipenbereich getrennt. Immer wenn wir einen Stiefel Bier geleert hatten, stellten wir den einfach vor diese Schiebetür und die Geschäftsleute haben sich förmlich darum gestritten, wer uns den nächsten spendieren durfte. Da wollte jeder zeigen, dass er sich das leisten kann.

3. Im damaligem Zeitungsbericht vom 22 Mai 1956 stand geschrieben: „Die Meistermannschaft der Sportfreunde Nordborchen zeigte sich im letzten Punktespiel sehr schußfreudig…“ & „Beide Mannschaften zeigten ein flottes und faires Spiel.“ Das komplette Gegenteil zu dem was man sonst immer hört, wenn behauptet wird, der frühere Fußball wäre so viel langsamer gewesen und ginge Richtung Standfußball – kannst Du das aus Deiner Perspektive bestätigen?
Standfußball haben wir sicherlich nicht gespielt, sonst hätten wir doch niemals elf Jahre Bezirksliga durchgehalten. Bei uns hieß es immer: „Attacke nach Vorne“. Viele Spiele wurden oft erst in den letzten 15 Minuten entschieden und zwar, weil wir die bessere Kondition hatten. Ich erinnere mich noch an Bernhard Kurte, einen unserer Zuschauer und Gönner, der bei den engen Spielen laut über den Platz brüllte: „Auf, auf Ihr Männer!“ Das gab uns allen dann irgendwie nochmal Kraft für den Endspurt. Genauso peitschte uns unser Torwart, „Hauptmann“ Willi Dernbach, immer an. Nachgeben war keine Option und deshalb nannte man uns auch „Klein Katernberg“, in Anlehnung an die Mannschaft aus Essen. Der Sportplatz war damals mit Brettern abgezäunt und überall wurden schwarze Kater drauf gemalt. Selbst in unserem Trikotlogo war das Tier integriert worden.


Keeper Willi Dernbach im Trikot mit dem Logo „Klein Katernberg“
4. 1965 wurde der neue Sportplatz am Hessenberg eingeweiht, aber nichts im Vergleich zu den heutigen Plätzen. Wie würdest Du die Geläufe beschreiben, wo Deine Mannschaft früher kicken musste?
Der Hessenberg war bis 1965 ein wahrer Runkelacker, was für uns auch oft ein Vorteil war. Der alte Almann (Salmen) hatte hinter dem Sportplatz noch eine Wiese und fuhr grundsätzlich sonntags vorm Spiel mit seinem Trecker nochmal quer über den Platz – einfach um uns Fußballer zu ärgern und mancher Gegner spielte dann auch nur unter lautem Protest seiner mitgebrachten Fans. Da wir aber wussten wo nun die Dellen im Geläuf waren, konnten wir etwas vorausschauender ins Geschehen gehen und erahnen wie die Bälle springen werden. In Borchen waren wir die ersten mit roter Asche. Im Kreis Höxter hatten schon viele Vereine schwarzes Pulver auf ihren Plätzen und dann gab es noch Orte, wie Elsen, wo die Außenbahnen mit Gras bewachsen und das Mittelfeld mit Asche abgedeckt waren. Hätten wir damals Geläufe wie heutzutage gehabt, wäre für uns sportlich noch viel mehr drin gewesen! Vor einigen Jahren habe ich Christian Waltemate mal gefragt, ob ich mich nicht für fünf Minuten einwechseln lassen könnte, um mal ein Gespür auf Kunstrasen zu bekommen, aber er meinte nur, dass ich mir womöglich einen Bänderriss holen werde und er das nicht verantworten kann.
5. Gab es einen ungeliebten Verein oder Gegenspieler gegen den Ihr meistens Probleme hattet?
Die Antwort kommt auf Anhieb, ohne zu überlegen - Gegen den SV Rot-Weiß Verne haben wir nie gerne gespielt, da das immer sehr harte & aggressive Spiele waren. Gegen eben diese Truppe haben wir mal ein Einlagespiel in Tudorf, zur Platzweihe, gemacht. Der Pastor segnete die Spielfläche mit den Worten: „Es soll ein Platz des Friedens sein!“ Keine fünf Minuten später trat Habigs Hansi seinem Gegenspieler in den Allerwertesten und flog vom Platz. Das nur mal als eines von vielen Beispielen.
6. Zu Deiner Zeit war der Sonntag ja noch strikt geregelt mit Kirchgang etc. Beschreibe doch mal, wie so ein Spieltags-Sonntag bei Dir aussah!
Der Kirchgang war für mich nur in der Jugend verpflichtend, danach ging Fußball immer vor. Weit entfernte Fahrten wurden immer mit einem vom Verein bezahlten Bus abgewickelt. Ansonsten ging es mit dem Fahrrad oder dem Auto zum Auswärtsspiel. Im Allgemeinen dürfte sich in den Abläufen, im Vergleich zu heute, nicht viel verändert haben.
7. In der Kneipe passieren nach den Spielen meist die witzigsten Dinge. Hast Du für uns noch eine kleine Anekdote auf Lager?
Heinz schmunzelt - Da gibt es so einige Geschichten, die aber besser privat bleiben sollten. Jedoch ein kleiner Lacher fällt mir spontan ein: Nach einem Spiel, saßen wir in der Kneipe und es wurde geknobelt. Der Alkohol floss ganz gut und am Ende des Tages hatten Klocken Bernhard und mein Bruder Johnny je fünf Runden auf ihren Deckeln stehen. Bernhard rief: „Johnny, lass uns die Schulden teilen!“ Doch mein Bruder verstand die Ironie des Unentschieden nicht und antwortete: „Bist Du verrückt, ich bezahle nur meinen Deckel!“


Heinz bei den Altherren um 1970 (mittig im roten Trikot)
8. Ihr ward ja früher ein eingeschworener Haufen, mit jungen Männern aus ein und demselben Ort, die sich wahrscheinlich in allen Lebenslagen geholfen haben und mit vollem Herzen hinter Ihrer Dorf-Herkunft standen. Aus Deiner Sicht: Gehen heute häufiger Spiele verloren, weil dieser gewisse Teamgeist, bzw. die Vereinsidentifikation gefühlt immer mehr abhandenkommt – sind das die entscheidenden Prozente die eine Meistermannschaft haben muss?
Nein, das kann ich hier in Borchen nicht bestätigen. Ich verfolge die Spiele unserer Ersten jetzt schon seit Jahrzehnten und der Einsatz der Mannschaften hat mir persönlich, über die ganze Saison betrachtet, immer gut gefallen.
9. 1970 haben die Sportfreunde Nordborchen & die DJK Kirchborchen fusioniert – wie habt Ihr Alteingesessenen diesen Zusammenschluss bewertet?
Ich persönlich war einer der ersten, die das mit befürwortet haben. Es sollte ja ursprünglich auch noch Alfen mit dazu stoßen, aber die wollten damals nicht und heute sieht man, zumindest fußballerisch, die Spätfolgen. Dennoch hatten wir uns alle, gerade in der Anfangszeit, viel mehr Erfolg von einem Zusammenschluss versprochen, gerade was den Seniorenbereich angeht
10. Heinz, Du bist auch heute noch so gut wie bei jedem Spiel an der Seitenlinie. Auch wenn Dich die meisten Spieler wohl nicht kennen, zeigt das Dein Herzblut für diesen Verein. Du könntest ja mit Deiner Gattin auch spazieren gehen - Was treibt Dich auch heute noch jeden Sonntag an, die Sportplätze der Region zu besuchen?
Der Fußball fasziniert mich einfach, auch noch nach so vielen Jahren. Ich könnte ja auch zum SC Paderborn fahren, aber da ist mir Borchen einfach lieber. Hier triffst Du oft noch den ein oder anderen Gegenspieler von früher und man kommt über die alten Zeiten ins Gespräch. Wenn die Frage „Mensch, lebst Du auch noch?“ beim Auswärtsspiel über den Platz hallt, dann ist der Sonntag irgendwie gerettet.


Vielen Dank Heinz, für Deine offene, ehrliche & sympathische Art. Mit Deinem Blick auf die Dinge konnten wir Eindrücke gewinnen, die uns sonst verschlossen geblieben wären. Vereinspatrioten wie Dich, braucht ein Traditionsclub, wie unser SCB, um Geschichte lebendig zu halten. Auf hoffentlich bald, auf einem der zahlreichen Plätze der Region!

10 Fragen im Kreuzverhör – Maulwurf deckt auf

In dieser Kategorie geht es um den Kreis der Ehemaligen; ganz nach dem Motto: „Was macht eigentlich…?“ Vereinsgrößen, ob Vorstand oder Spieler, die bis heute ihre Spuren beim SC Borchen hinterlassen haben und fast immer noch präsent sind; eben Mitglieder & Ehrenamtler der ganz besonderen Art. Aber auch um Menschen, die vor der Fusion der Sportfreunde Nordborchen & der DKJ Kirchborchen einiges mit ihren Mannschaften erlebt haben und ihre Zeit auf eine gewisse Art prägten. Wir wollen mal etwas hinter die Kulissen gucken und Einblicke gewähren, die vielleicht sonst nicht zum Vorscheinen kommen.

Zehn Fragen, zehn Antworten und das ohne große Vorbereitung – denn das was spontan auf den Tisch kommt ist oftmals viel beeindruckender als große Reden zu schwingen.
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