Mihan

In der Saison 2016/17 stieß ein ganz besonderer Junge zum Training unserer B-Junioren hinzu. Der damals 15-jährige Mihan war bereits als Kind mit seinen Eltern in den Iran geflohen und ist nun nach einer weiteren Odyssee in Deutschland gelandet. Kurzzeitig spielte er für die JSG Büren/Steinhausen, bevor er im Winter zum SCB wechselte. Eines Trainingsabends im Februar kam Mihan eine knappe halbe Stunde zu spät zum Training. Ziemlich bedröppelt trottete er über den halbdunklen Platz in Alfen. Die Übungsleiter kannten die besonderen Umstände von Mihan (glaubten sie zumindest) und so durfte Mihan nach einer kurzen Ermahnung die Einheit mitmachen – wie immer mit Volldampf und ohne sich zu schonen. Nach dem Training fragten die Übungsleiter Mihan, wie er denn zum Training gekommen sei. „Mit dem Fahrrad“, meinte Mihan. „Im Februar? - Bei fünf Grad unter null!? - Verrückt der Junge.“ Er wäre knappe zwei Stunden unterwegs gewesen und hätte sich trotz Handynavigation sogar dreimal verfahren - das erklärt natürlich Einiges.



Trainer Konny Stolte dann zu ihm: „Du fährst auf keinen Fall allein zurück. Ich bringe dich.“ Wer den Radsportprobten Konny kennt, weiß, dass es an diesem Abend keine bessere Begleitung für Mihan hätte geben können. Was aber in den folgenden Stunden geschah, werden wohl nicht nur die beiden so schnell nicht vergessen. Nach knapp fünf Minuten Fahrtzeit fror Mihan so sehr, dass Konny zunächst eine warme Mahlzeit und ein paar Handschuhe für Mihan organisieren musste. Nur mäßig erwärmt ging es weiter Richtung Etteln. Irgendwo in der Nähe des Kappelenhofs fragte Konny Mihan dann: „Sag mal, wo wohnst du eigentlich genau?“ Das wußte Mihan aber leider selbst nicht wirklich. Nach einer längeren Fragerunde war klar: In dem Ort gibt es keinen Supermarkt und keine Kirche, aber einen Westring und einen Eggering. Im Ernst jetzt!? Nach ein paar Minuten des Grübelns ging dem Rennradprofi Stolte ein Licht auf: „Scheiße! Der wohnt in Herbram-Wald! - Naja, nutzt ja nichts. Ab durch den Wald, bis hoch zur Dörenhagener Straße - schaffen wir schon irgendwie. Doch bald war klar: Das schaffen wir nicht! Gegen Schnee, Eis und Ostwind musste Konny Mihan durch den Wald schieben. Kurz vor Dörenhagen war Mihan dann endgültig mit seinen Kräften am Ende. Was nun? Mitten in der Pampa und kein (funktionsfähiges) Handy dabei. Zum Glück wohnten ganz in der Nähe Bekannte von Konny und die waren sogar zu Haus. Gott sei Dank! Dort konnten die beiden ihre Fahrräder abstellen und sich ein Auto (ein nigelnagelneuer Audi) für die Weiterfahrt leihen.

Jetzt wird alles gut, dachte sich Konny. Denkste! Bei ständiger Angst vor Wildwechsel und den rutschigen Pisten (das schöne neue Auto!) ging es los über den steilen Maiweg nach Herbram. Irgendwann wurde das Gefälle aber zu groß und es gab kein Vorankommen mehr. Ok. Im Rückwärtsgang ging es 500m quasi im Blindflug zurück. Ein Wunder, dass hier nichts passiert ist. Dann konnte Konny den Wagen endlich wenden und über Grundsteinheim, Iggenhausen und Herbram wurde dann tatsächlich noch der Weg nach Herbram-Wald gefunden. Nachdem Mihan in seiner Flüchtlingsunterkunft abgeliefert wurde, ging es für Konny, zum Glück ohne weitere Vorkommnisse, den ganzen Weg zurück. Insgesamt drei Stunden dauerte die Odyssee. O-Ton Konny Stolte: „So etwas erlebt man nur mit Mihan, der nimmt alle Widrigkeiten auf sich, nur um bei uns Fußballspielen zu können.“ Diesem ereignisreichen Abend im Februar hat Mihan noch einige weitere Geschichten folgen lassen. „Mit ihm wird es nie langweilig“, erzählt Konny mit einem Augenzwinkern.

Hessenberggeschichte(n)

Hessenberggeschichte(n), das sind kleine und größere Erzählungen rund um den SC Borchen. Kurze Anekdoten, phänomenale Spiele, unvergessene Spielzeiten oder Zeitgeschichte aus dem Herzen des Vereins, alles findet hier seinen Platz und lässt so Geschichten zu Geschichte werden. Viel Spaß beim lesen!

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