Die Klasse von 2000 – Als Torwart zum größten Karriereerfolg

Die Saison 1999/2000 war meine zweite Saison bei den D-Junioren und wurde etwas Besonderes für meine Mannschaft und mich, auch wenn es anfangs noch gar nicht danach aussah. In diesem Jahr übernahmen zwei Michaels, Hahn und Schwarck, zusammen die D2. Da ich in der D1 nur sporadisch Einsatzseiten vom Trainer bekam, hoffte ich durch das berühmte „Vitamin B“ mehr Verantwortung in der vermeintlich schwächeren D2 übernehmen zu können. Der krönende Abschluss einer nicht im Gedächtnis gebliebenen Vorrunde, war das vereinseigene Turnier auf dem Bohnenkamp. In der Gruppenphase konnten wir uns als Gruppenzweiter hinter Grün-Weiß Paderborn für das Halbfinale qualifizieren. Dort schlugen wir Altenbeken und trafen im Finale erneut auf den Gruppensieger GW Paderborn. Nach einer torlosen Abwehrschlacht verloren wir leider das Finale in einem aufregenden 9-Meter-Schießen. Wir trösteten uns über den verpassten Turniersieg hinweg, waren wir doch die beste Borchener Mannschaft des Tages, denn die D1 patze schon im Halbfinale gegen GW Paderborn und machte im Spiel um Platz 3 gegen Altenbeken keine bessere Figur. Da ich schon immer ein Fan schwächerer Mannschaften bin (Ich sage nur Arminia...) entschied ich mich, die Rückserie wieder in der D1 zu spielen.

Durch eine gute Vorrunde qualifizierten wir uns zusammen mit dem SC Paderborn 07, SC GW Paderborn, BV Bad Lippspringe und dem Delbrücker SC für die Meisterrunde. Mit einem Unentschieden und einem Sieg über den Delbrücker SC erreichten wir mit insgesamt vier Punkten den vierten Platz der Meisterrunde. Nach einer langen Saison waren wir also das viertbeste Team im Kreis Paderborn. Für mich persönlich die erfolgreichste Saison, die ich als Fußballer beim SC Borchen erlebte. Das Jahreshighlight sollte allerdings noch kommen. Der D1-Trainer Ralf „Haggi“ Jagiella, meldete uns nach der erfolgreichen Saison für ein großes mehrtägiges Jugendturnier in Wilhelmshaven an - mit 24 Mannschaften aus dem ganzen Land. Die Aufregung war greifbar, denn motiviert durch unsere gute Saison, hofften wir auch in Wilhelmshaven eine gute Figur zu machen. Um unsere Fertigkeiten als Turniermannschaft zu testen eignete sich das heimische Turnier in Borchen eine Woche vor Abfahrt nach Wilhelmshaven. Die Euphorie wurde gebremst durch die Hiobsbotschaft, dass sich unser Stammtorwart Michael Neuhäuser den Arm gebrochen hat und sowohl für das Borchener Turnier als auch für Wilhelmshaven, nicht zur Verfügung stand. Da kein Ersatztorwart zur Hand war, schwanden die Hoffnungen auf eine gute Figur in Wilhelmshaven. Ohne gelernten Torwart auf zwei Turnieren spielen? Das wird schwierig.

Da kein Spieler überredet werden konnte sich alle Spiele im Tor abschießen zu lassen, entschieden wir, dass der Torhüter von Spiel zu Spiel getauscht werden sollte – geteiltes Leid ist eben halbes Leid. Im ersten Spiel gegen den TSV Tudorf zog Sven Kniesburges den kürzeren Strohhalm, im nächsten Spiel gegen den SV Blau Weiß Benhausen dann Ich. Ob es meine mittelmäßigen Fähigkeiten auf dem Platz oder die passablen Künste im Tor waren, kann ich nicht sagen, aber nach diesem Spiel wechselten wir den Torwart nicht mehr und ich wurde der Stammtorwart für das Borchener Turnier. Durch eine geschlossene Mannschaftsleistung konnten wir uns als Gruppenerster für das Halbfinale qualifizieren und trafen dort auf den SV 21 Büren und zogen durch einen 1:0-Sieg ins Finale ein. Dort wartete der Delbrücker SC, bekannt aus der Meisterrunde. Zu allem Überfluss endete das Spiel nach der regulären Spielzeit torlos unentschieden - es folgte meine ungewollte Premiere als Torwart in einem 9-Meter-Schießen. Das Déjà-vu war perfekt, erneut ein Finale auf dem eigenen Sportplatz, vor den erwartungsvollen Eltern - für mich die gleiche Konstellation wie vor einem halben Jahr in der D2, doch nun als Torwart in der D1. Tausend Frage schossen mir durch den Kopf. Wie hält man am besten einen Elfmeter? Springe ich nach rechts oder springe ich nach links? Biete ich dem Schützen eine Ecke an? Fragen über Fragen und keine Antwort. Im Showdown konnte ich dann tatsächlich zwei der fünf Elfmeter halten. Da Sven Kniesburges, Julian Neumann, Raphael Winter und ich selbst, unsere Elfer sicher verwandelten, gingen wir mit einem 4:3 als Turniersieger vom Platz. Die Generalprobe für Wilhelmshaven war geglückt und der Torwart für das Turnier stand fest.

Hochmotiviert und voller Vorfreude rüstete ich mich mit professionellen Torwartutensilien aus, um beim Turnier in Wilhelmshaven eine noch bessere Figur zu machen. Bei meinem damaligen Nachbarn, Thomas Lagers, durfte ich mir alle nötigen Dinge leihen - herzlichen Dank nochmal. So ging es gut gerüstet Richtung Norden. Auch zahlreiche Eltern waren mit von der Partie, um uns vor Ort, wie auch sonst in Borchen, lautstark unterstützen zu können. In der Jugendherberge in Wilhelmshaven, wo wir eigentlich Ruhe und Energie für das kommende Turnier sammeln sollten, trafen wir jedoch direkt auf einen weiteren Turnierteilnehmer, den BV Borussia Bocholt. So stand der erste Rivale bereits in der Jugendherberge fest und erste Kräftemessen wurden lautstark ausgefochten. Die Gruppeneinteilung des Turniers verhinderte allerdings einen sofortigen sportlichen Wettkampf mit unserem Erzfeind in der Gruppenphase. Unsere Gruppengegner hießen Eversten, DJK Wilhelmshaven, Olympia Wilhelmshaven, Jesteburg und der Vorjahressieger Post SV Osnabrück. Dort setzen wir uns ohne Niederlage und mit nur einem Gegentor - an das erinnere ich mich noch genau: kurze Ecke nicht dicht gemacht - als Gruppensieger durch. Auch die Borussia aus Bocholt qualifizierte sich für die K.O.-Phase. Schnell wurde klar, dass nur bei einem Durchmarsch bis ins Finale das ersehnte Zusammentreffen mit Bocholt möglich war. Das gab, zusammen mit dem exzessiven Jubel unserer Eltern - die sangen „Die Hände zum Himmel“ und dem Versprechen von Michael Schwarck uns bei einem Turniersieg alle zum Grillen inklusive Übernachtung einzuladen, den nötigen Ansporn.


Siegermannschaft in Wilhelmshaven:
oben v.l. Sebastian Finger, Michael Neuhäuser, Maximilian Timme, Raphael Winter, Martin Steffens, Sven Kniesburgers, David Weiser, Felix Jancker, Ralf "Haggi" Jagiella.
unten v.l. Rico Schwarck, Dragan Leifeld, Julian Neumann, René Hahn, Nils Hemstedt, Markus Völse, Sergej Migulkin


Wir gewannen alle Spiele bis zum Halbfinale gegen den Hagener SV, welches ebenfalls nach einem 0:0 per Elfmeterschießen entschieden werden musste. Diesmal war ich gewappnet, und obwohl es nur drei Schützen gab, konnten wir erneut unsere Nerven beweisen. Ich hielt erneut zwei Elfer und Sven und ich trafen beide sicher, sodass unser dritter Mann, Felix Jancker, gar nicht mehr antreten musste. Der Finaleinzug war für uns perfekt, jetzt fehlte nur noch Bocholt. Die mussten im Halbfinale gegen den TSR Olympia Wilhelmshaven ran. Das Traumfinale gegen Bocholt zum Greife nahe, feuerten wir lautstark den hoffentlich kommenden Gegner aus Bocholt an, um diese anschließend im Finale schlagen zu können. Leider unterlag Bocholt gegen die Olympia denkbar knapp mit 3:2.

In den Lokalmedien wurde Olympia als überragendes Nachwuchsteam im Fußballkreis Wilhelmshaven bejubelt. Wir waren gewarnt und die Anspannung war entsprechend groß. Die meisten der über 250 Zuschauer waren auf der Seite der heimischen Wilhelmshavener, nur wenige für uns. Doch der Dauergesang „Die Hände zum Himmel“ unserer Eltern war auch trotz Unterzahl deutlich zu hören. Auch die Borussia aus Bocholt schien die anfängliche Abneigung abgelegt zu haben und feuerte uns an. So wurden aus Jugendherbergen-Rivalen am Ende doch noch Freunde. Eine Freundschaft, die auch über die nächsten Jahre anhalten sollte. In der 8. Minute des Finales in Wilhelmshaven gingen wir in Rückstand, gaben jedoch nicht auf und kämpften uns zurück ins Spiel – Ausgleich durch Felix! Dann drehten wir das Spiel komplett: Nach einer Ecke gingen wir durch ein Eigentor von Wilhelmshaven mit 2:1 in Führung. Die letzten Minuten kämpften wir und den Turniersieg sollte uns keiner mehr nehmen. „Die Mannschaft hat alles gegeben, was nur möglich war. Wir haben unsere noch vorhandenen Kräfte im Spielverlauf gut eingeteilt. Doch hätte die Partie auch nur fünf Minuten länger gedauert, wären wir umgefallen.“, so die legendären Worte von Trainer Jagiella nach der Partie.


Freude Pur








Ich bin froh, Teil dieses Teams gewesen zu sein und eine solche Saison erlebt zu haben, sie wird für mich nicht nur aus sportlicher Sicht unvergessen bleiben. Ich erinnere mich noch gerne an die Spiele, die Mannschaft, unsere Trainer - Ralf Jagiella und Carsten Gehrken, den Abend in Michael Schwarcks Garten und an unsere Eltern zurück. Dank euch werde ich immer bei dem Lied „Die Hände zum Himmel“ an das Turnierwochenende in Wilhelmshaven zurückerinnert. Eine unvergesslich schöne Erinnerung. Für mich sollte dieser Erfolg der größte im Fußballtrikot des SC Borchen bleiben. Noch vor dem Seniorenalter zog es mich an die Tischtennisplatte, der ich bis heute treu geblieben bin. Mit dem Fußball verbinden mich neben meiner Tätigkeit im Jugendvorstand, auch viele, viele Freundschaften. So einige davon stammen noch aus der wilhelmshavener Zeit, vor exakt 20 Jahren. Denn in der Klasse von 2000 spielten viele, die auch den Seniorenfußball beim SCB nachhaltig geprägt haben oder dies noch heute tun.


Teile der Mannschaft beim 60.Geburtstag von Gönner, Fan und Elternteil "Michael Schwarck" (Mit speziellem Wilhelmshaven T-Shirt)



Einlagespiel beim Altenau-Pokal 2020


Hessenberggeschichte(n)

Hessenberggeschichte(n), das sind kleine und größere Erzählungen rund um den SC Borchen. Kurze Anekdoten, phänomenale Spiele, unvergessene Spielzeiten oder Zeitgeschichte aus dem Herzen des Vereins, alles findet hier seinen Platz und lässt so Geschichten zu Geschichte werden. Viel Spaß beim lesen!

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