Die Geschichte eines außergewöhnlichen Torwarts

Als ich im Sommer 1999 mit dem SuS Boke an einem Jugendturnier des SC Borchen auf dem Bohnenkamp teilnahm, wusste ich noch nicht, dass es meine letzten Spiele für die Lippe-Mannschaft sein sollten, geschweige denn, dass ich den Großteil meiner fußballerischen Jugend auf genau diesem Sportplatz verbringen werde. Der SC Borchen war gerade mit der C-Jugend in die damals höchste Spielklasse, die Bezirksliga, aufgestiegen und suchte für den Klassenerhalt einen Torwart. Der Kontakt kam über Hansi bzw. Bubu Lagers zustande, mit denen ich mich dann auch einige Wochen später auf dem Hessenberg traf. Der Ascheplatz wich gerade dem Kunstrasenplatz, der Rasenplatz am Bohnenkamp wurde für die Meisterschaftsspiele der 1. Mannschaft geschont, sodass das obligatorische Probetraining auf der damaligen Wiese neben dem Bohnenkamp stattfand. Scheinbar traute man mir nach dem Torwarttraining zu, für Borchen die Klasse zu halten und auch für mich war schnell klar, "jawoll, da habe ich Bock drauf!" Einziges Problem, wie komme ich die 25 km von Boke nach Borchen zum Training und zurück? Hier zeigte sich, dass es der SC Borchen ernst meint und der Verein vielleicht etwas verrückter ist als einige andere. So wurde ein zuverlässiger Fahrservice organisiert, der mich in Boke abholte und zum Training nach Borchen chauffierte. Abgeholt aus Borchen wurde ich von meinem Papa. An dieser Stelle nochmals eine dickes Dankeschön an alle, die mich damals gefahren haben!

Ich habe mir beim Schreiben dieses Textes vorgenommen keine Personen besonders hervor heben zu wollen, da dies allen nicht genannten nicht gerecht würde und sicher jeder einzelne engagierte Borchener Anteil am Erfolg des SC Borchen hat. Aber um eine besonders prägende Person komme ich nicht herum: Wilhelm "Mecki" Nagel. Wenn einer von der Geschichte des SC Borchen berichten kann, dann Mecki. Sicherlich hat jeder Sportverein, ob Dorf- oder Profiverein, Geschichten oder Mythen, die sie zu etwas ganz besonderem machen, schließlich würde niemand behaupten, "ja gut ich spiele beim TuS Ückendorf 1903, dat is so nen langweiliger Fußballverein, der hat im Grunde nix Besonderes ...". Aber es braucht Menschen, die diese besonderen Geschichten erzählen und genau das hat "Mecki" auf unseren Autofahrten getan. Die großen Schlachten auf dem Hessenberg, selbstverständlich auf Asche, wobei- "ach wat Asche, Schutt! Auf Schutt haben wir gespielt!", die ersten Spiele nach dem Krieg, die zahllosen Angebote der erfolgreichen Revierclubs, die einzig und allein aufgrund der großen Liebe zum Heimatverein abgelehnt wurden. Die schweren Verletzungen, die unzählige Profikarrieren verhindert haben. Geschichten, an die ich immer wieder gern zurückdenke.

Rückblickend verging die Zeit in der Jugend des SC Borchen rasend schnell und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit bestand das Wochenende darin, in Borchen Playstation zu spielen, die Bundesliga-Konferenz zu schauen und sich möglichst profihaft auf das wichtige Spiel am Sonntag vorzubereiten. Im Laufe der Zeit wurde dann das Playstation-Spielen durch feucht fröhliche Abende ersetzt, die Bundesliga wurde mit dem ein oder anderem Kaltgetränk lieber direkt im Stadion verfolgt und die Spielvorbereitung, die blieb natürlich höchstprofessionell ;-) Die schönste Zeit in der Jugend war sicherlich der Aufstieg mit der A-Jugend 2001 und speziell die Aufstiegsrunde. Waren in den normalen Meisterschafsspielen schon viele Zuschauer bei Heim- und Auswärtsspielen, so entwickelte sich in der Aufstiegsrunde eine riesige Euphorie um Bohnenkamp und Hessenberg, welche mit dem Aufstiegsspiel in Borgentreich ihren Höhepunkt fand. Für alle Beteiligten eine unvergessene Busfahrt und eine wahnsinnige Feier!

Dass ein großer Teil dieser Mannschaft zusammen blieb, war eine logische Konsequenz aus dem Mannschaftsgefüge, waren doch für den Außenstehenden gefühlt alle miteinander verwandt. So wurde sogar bei mir ein Verwandtschaftsverhältnis zum Großteil der Mannschaft aufgetan, von dem selbst meine Familie überrascht war.

Nachdem die 1. Mannschaft des SC Borchen im Jahr 2004 den Aufstieg von der Kreisliga A in die Bezirksliga schaffte, fand sich ein großer Teil der damaligen Aufstiegs A-Jugend in der Senioren Bezirksklasse wieder. Auch für mich hieß es nach einigen Aushilfseinsätzen und Trainingseinheiten in der 1. Mannschaft nun Stammtorwart in der höchsten Borchener Seniorenmannschaft zu sein. Ich kann mir schon vorstellen, dass der ein oder andere rund um den Hessenberg sich fragte, ob es ein schlechter Scherz sei, dass dieser Spargeltarzan nun die Nummer Eins im Tor sein solle. Speziell bei so erfahrenen Vorgängern wie Jörg Riedel und Markus Bröckling. Um ehrlich zu sein habe ich mir damals gar keine großen Gedanken darüber gemacht, ich habe halt mit meinen Kumpels Fußball gespielt, ob Bezirksliga oder Kreisliga, Jugend oder Senioren war nicht so wichtig.

Dass wir dann mit dieser jungen Truppe die Liga so durcheinander wirbeln werden, hätte wohl kaum jemand gedacht. In den ersten Jahren den nicht geplanten Aufstieg knapp verpasst, war es dann in der Saison 2007/2008 soweit: der SC Borchen grüßte erstmalig in der Vereinsgeschichte als Landesligist. Und das nicht mit einer zusammen gekauften Truppe, sondern mit einer Mannschaft, die aus echten Borchener Jungs bestand. Auch wenn einige wenige nicht direkt in Borchen wohnten, so fühlte sich jeder eng mit dem SCB verbunden oder hatte sogar eine direkte persönliche Beziehung zum Verein. Selbst in der Aufstiegssaison hat sich ,so glaube ich, kaum jemand von uns Gedanken darüber gemacht, dass wir wirklich die erste Borchener Fußballmannschaft sein können, die in die Landesliga aufsteigt. Natürlich wurde bei den unzähligen Vor-Aufstiegsfeiern die bevorstehende und nach dem zweiten Saisonsieg kaum zu nehmende Meisterschaft bei jedem verbliebenen Heimspiel gebührend bei Hausmann gefeiert. Aber dass man dann wirklich aufsteigen sollte, damit hatte wohl keiner gerechnet. Eigentlich war es wie in der Jugend, an den Samstagen Fußball im Stadion oder TV gucken, abends höchstprofessionell auf die Spiele vorbereiten, (Hust, Hust ...) und sonntags die Gegner vom Hessenberg schießen! Besonders in Erinnerung geblieben und sicher auch ein Moment, den ich nie vergessen werde, war das Singen des Vereinsliedes "Blau und Weiß, wie lieb' ich dich..." in der Kabine nach dem gelungen Aufstieg. Hier lagen sich Jung und Alt in den Armen und genossen gemeinsam diesen unglaublichen Augenblick!

Ich glaube, dass so eine Erfolgsstory im "modernen Fußball", der aus meiner Sicht auch im Amateursport Einzug gehalten hat, fast nicht mehr möglich ist. Eine Mannschaft die mit kleinen Veränderungen ab der C-Jugend gemeinsam Fußball spielt, knapp fünf Jahre später als Seniorenmannschaft in die Bezirksliga aufsteigt und mit nahezu identischer Truppe ohne finanzielle Unterstützung in die Landesliga geht, das scheint zehn Jahre später zumindest im Kreis Paderborn völlig undenkbar. Ich bin unheimlich Stolz ein Teil dieser so erfolgreichen Borchener Zeit gewesen zu sein und möchte mich noch einmal ausdrücklich bei allen Borchenern bedanken, die dafür gesorgt haben, dass ich beim SC Borchen meine sportliche Heimat finden konnte und die mir Momente bereitet haben, die mich mein ganzes Leben begleiten werden!

Hessenberggeschichte(n)

Hessenberggeschichte(n), das sind kleine und größere Erzählungen rund um den SC Borchen. Kurze Anekdoten, phänomenale Spiele, unvergessene Spielzeiten oder Zeitgeschichte aus dem Herzen des Vereins, alles findet hier seinen Platz und lässt so Geschichten zu Geschichte werden. Viel Spaß beim lesen!

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